Die Nebelfahrt der Buena Vista

Am 03.10.2005 war es endlich soweit. Wir wollten unsere Buena Vista von Hamburg-Harburg zu ihrem zukünftigen Liegeplatz nach Holland überführen. Die allererste Fahrt mit unserem eigenen Boot.

Der Wecker klingelte um 3.45 Uhr früh und wir waren schon wach, einfach zu aufgeregt. Nun schnell die Heizung angemacht (welch Luxus), Kaffee gekocht und Leinen geordnet. Eigentlich nicht die richtige Zeit, um aufzustehen, aber der Gezeitenkalender gab uns die Zeit vor. Um 5.00 Uhr war sogar der Schleusenwärter schon wach und öffnete uns den Weg zur Elbe.

Ein wundervoller Morgen, die Sterne glitzerten am Himmel und wir fühlten uns wie die Könige. Dieses unbeschreibliche Hochgefühl, endlich mit unserem eigenen Boot Richtung Helgoland zu fahren, hielt dann doch genau 2 sm an. Da sahen wir eine Nebelbank. "Ist Frühnebel, normal um diese Jahreszeit" dachten wir noch als wir in die Nebelwand eintauchten.

Bilddatei?Nichts war es mehr mit glitzernden Sternen, nur unheimliche Geräusche und Dunkelheit. Wir waren nicht darauf vorbereitet, dass eine Nebelwand im Hamburger Hafen so dunkel und so lang andauernd sein kann. Also schnell eine GPS-Position genommen und laut Karte den Kurs festgelegt und nach Kartenkurs gesteuert. Wir hörten zwar das geschäftige Treiben einer Hafenanlage, sahen aber nichts. Wir verloren das Gefühl der Orientierung, jeder Handgriff, der sonst Routine war, wurde unsicher ausgeführt. Ein mulmiges Gefühl beschlich uns.

Bilddatei?Die Kattwyck-Brücke, die für uns geöffnet werden mußte, sollte ganz in der Nähe sein. Doch nichts war zu sehen. Björn funkte den Brückenwärter an, und vermutete uns noch ca. 0,5 sm entfernt. Doch da sahen wir schon die Lichter zum Greifen nah. Die Schranke hob sich wie von Geisterhand und wir setzten unsere Nebelfahrt fort. Da ertönte es aus dem Lautsprecher: "Wenn ihr da lang fahrt, trefft ihr die grüne Tonne". Also änderten wir den Kurs, etwas zu heftig. "Und jetzt fahrt ihr auf Land zu". Völlig irritiert ließen wir uns zum nächsten Dalben lotsen und machten fest, bis sich der Nebel verzogen hatte. Bei einer Tasse Kaffee und dem sich allmählich lichtenden Nebel fühlten wir uns schon etwas sicherer.

Bilddatei?Endlich, nach 2 Stunden war der Himmel blau und klar und wir sahen die großen Containerschiffe. Wow, respektvoll hielten wir uns rechts im Fahrwasser der Elbe. St. Pauli und Blankenese lagen in unserem Kielwasser, als wir die nächste Nebelbank sahen. "Nicht schon wieder!" Wir hielten uns wieder möglichst rechts im Fahrwasser, das Ufer in Sichtweite. Das gab vermeintliche Sicherheit. Doch der Nebel wurde immer dichter. "So ein Scheiß" dachten wir noch, als wir aus dem Nebel eine Stimme hörten: " Hey Sportboot, ihr habt wohl kein Radar, Dann macht am Steg der Fähre fest, bis der Nebel sich gelegt hat." Erst sahen wir nichts, kein Boot, schauten verwirrt in den Nebel und sahen kurz darauf hinter uns das große Boot der "Waschpo" auftauchen. Jetzt wußten wir auch wer uns da so rüde angefunkt hatte.

Bilddatei?Verunsichert und entnervt folgten wir dem Rat und machten zum zweiten Mal an diesem Tag fest, bis der Nebel sich verzogen hatte. Nun stand die Tide endgültig gegen uns. und wir beschlossen, im Jachthafen Hamburg-Wedel zu übernachten. Wir schliefen tief und fest. "Morgen wird ein neuer Tag sein und dann schaffen wir die Elbe runter bis Cuxhaven und weiter nach Helgoland."

(Astrid, April 2008)